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Zeit für eine Bilanz: Fragen an Professor Dr. Volker Nürnberg

Wir haben jetzt schon eine Weile Corona und Home Office und andere Arbeitsbedingungen.
Wie geht es uns eigentlich gesundheitlich so aktuell in der Arbeitswelt?
Macht Home Office gesünder oder eher kränker? Wie geht es dem BGM und den Mitarbeiter*innen? Achten die Führungskräfte genug auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen im Home Office?
Und wie soll es weitergehen? Was sind unsere learnings?

Das HHP hat jemanden gefragt, der sich damit auskennt 😉
„BGM Papst“ und Partner des BDO Professor Dr. Volker Nürnberg:

Volker, was würdest du sagen? Wie ist die Bilanz bisher-Corona, Arbeit, Home Office &Co?

Es sind viele Millionen Deutsche aktuell im Homeoffice. Dies stellt eine Herausforderung für viele Familien dar- sind denn oft auch der Partner zuhause und die Kinder im Homeschooling. Die Themen reichen von Erziehungsproblemen bis hin zu häuslicher Gewalt.
Sehr dramatisch sind aber auch die körperlichen Folgen: Es gibt Studien, die belegen, dass viele im Homeoffice 5 Kilo zugelegt haben. Denn wir bewegen uns 25% weniger im Homeoffice, der Konsum von Fertigpizzen ging fast um 25% hoch.


Wie geht es den Mitarbeiter*innen im HO?

Reines Homeoffice wie zur Zeit hat besonders psychosoziale Folgen. Für viele ist die Firma eine Ersatzfamilie (wenn man sich mal ein Soziogramm malt, mit wem man vor Corona immer Mittagessen ging, so sind es immer die gleichen Menschen), der Flurfunk fehlt und die sozialen Kontakte. Die Führungskräfte müssen virtuell führen, wurden dafür aber nicht qualifiziert.


Machen sie mehr für ihre Gesundheit oder weniger?

Die Möglichkeiten sind einfach geringer, da Fitnessstudios, Vereine etc. alle bisher geschlossen waren und es teilweise auch noch sind. Arbeitswege fallen auch vielerorts weg. Deshalb bewegen wir uns im Schnitt weniger. Es gibt aber durchaus auch Menschen, die sich im HO mehr bewegen, da sie ihre Arbeitszeit flexibler gestalten können und Sport besser in ihren Alltag integrieren können. Dies gilt aber nur für intrinsisch sehr motivierte Personen, die auch vorher schon sportlich waren.

Ein Trend, der sich durch Corona definitiv noch verstärkt hat, sind aber digitale Angebote, z.B. Meditation, Yoga, Online- Fitnesskurse oder auch jene im Bereich Mental Health. Die Möglichkeit der Zertifizierung von Online-Kursen nach Paragraph 20 SGB V ist ebenfalls relativ neu und bietet mehr Möglichkeiten für deren Nutzung und Finanzierung.


Ist der Arbeitgeber momentan engagiert genug, was das Thema BGM betrifft?
Oder fällt das Thema Mitarbeitergesundheit / BGM eher hinten runter?

In der Krise fällt das BGM leider oft hinten runter. Danach wird man aber erkennen, das gesunde Mitarbeiter die wichtigste Ressource sind, die wir haben…
Zudem sind Unternehmen oft ratlos, wie sie gerade jetzt BGM angehen oder umsetzen sollen und was in dieser aktuellen Situation die besten Angebote für ihre Mitarbeiter sind, die auch Erfolg versprechen.


Wie empfindest du aktuell die Stimmung und die Situation in den Unternehmen? Stellst du Veränderungen fest in Bezug auf das Mindset, was Gesundheit angeht?

Es ändert sich langsam. Das Bewusstsein für Gesundheit wurde durch Corona schon verschärft. Trotzdem geht es im Praxisalltag immer noch zu sehr verloren. Aus hygienischen Gründe finden aktuell kaum analoge BGM Maßnahmen statt. Das Problem an rein digitalen Maßnahmen ist, dass sie oft zu wenig greifbar sind. Es findet dann halt nur vereinzelt im Wohnzimmer von xy statt. Die -auch physische- Präsenz von BGM und dessen Maßnahmen im Unternehmen ist aber schon von Bedeutung. Auch für die Wahrnehmung der Wichtigkeit von Gesundheit im Arbeitsalltag. Wenn man nur virtuell verbunden ist und sich in Meetings sieht, geht leider oft das Gespür verloren: wie ist denn der Zustand oder auch die Tagesform von Person x/y? Wie sieht sie aus, wie ist ihre Körpersprache? Das macht es auch für Führungskräfte deutlich schwerer einzuschätzen wie es den Mitarbeitern geht.  Es müsste aber auch öfter proaktiv nachgefragt werden: Wie geht es dir (gesundheitlich: physisch/ mental)?


Achten die Führungskräfte genug auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Home Office und auch auf ihre eigene?

Nein, die Führungskräfte sind oft schlechtes Vorbild was Arbeitsbelastung, unregelmäßige Ernährung, zu wenig Bewegung, Rauchen etc. angeht. Man muss sie sensibilisieren.

Was haben wir aus der Corona Krise gelernt oder was sollten wir gelernt haben hinsichtlich MA-Gesundheit/ BGM?

Dass die Arbeit flexibler wird, wir auch für die Zukunft Pandemiepläne brauchen und das gesunde Mitarbeiter das A und O sind.


Ist digitales BGM auf Dauer die Lösung?

Rein Digitales BGM hat sich nicht durchgesetzt. Es fehlt die Mensch zu Mensch Begegnung. Die Zukunft sind hybride Lösungen. Die Digitalen Element z.B. Motivieren und Sensibilisieren und dann analoge Maßnahmen folgen lassen. Oder digitale Plattformen mit einem Blumenstrauß an digitalen und analogen Maßnahmen. 


Sind wir hinsichtlich BGM und auch hinsichtlich der tatsächlichen tagtäglichen Umsetzung schon da, wo wir sein wollen?

BGM in der Vergangenheit ist gescheitert. Es erreichte nur wenige und die falschen Menschen ( diejenigen, die eh schon motiviert waren). In Zukunft soll es Spaß machen und alle Zielgruppen erreichen.  Mehr dazu werde ich auf der Online-Fokuskonferenz „Holistic Health | Future Of Work“ vom 28.-30.9.2021 in meinem Vortrag: „Future BGM –sexy, nachhaltig und innovativ“ verraten!

Professor Dr. Nürnberg vielen Dank für das Gespräch!

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