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Resilienz

Resilienz ist gerade im beruflichen Kontext ein immer wichtiger werdendes Thema, spielt jedoch auch im Privatleben eine bedeutsame Rolle. In diesem Artikel erfahren Sie, was man unter dem Begriff versteht und was resiliente Menschen auszeichnet. Darüber hinaus wird erläutert, warum das Thema immer wichtiger wird.

Was versteht man unter Resilienz?

Resilienz ist so etwas wie Elastizität. Stellen wir uns vor, es passiert etwas in unserem Umfeld oder eine durch äußere Einwirkung verursachte Veränderung tritt ein. Resilienz bedeutet, dass wir es trotz allem schaffen, wieder in den ursprünglichen Ausgangszustand, unsere Balance, zurückzukehren. Resilienz bedeutet also so etwas wie psychische Widerstandsfähigkeit. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne dauerhafte Beeinträchtigung oder dauerhaftem Schaden zu überstehen

Menschen, die diese Eigenschaft aufweisen, lassen sich weniger schnell aus der Ruhe bringen und sind Herausforderungen im Allgemeinen besser gewachsen. So fällt es ihnen leichter, mit unvorhergesehenen Ereignissen und neuen Situationen umzugehen. Sie sind lösungsorientierter und können Rückschläge, Krisen oder Verluste besser bewältigen. Darüber hinaus schaffen es resiliente Menschen sogar, aus Rückschlägen und Krisen zu lernen und somit auch aus weniger schönen Erfahrungen positive Erkenntnisse zu ziehen.

Was zeichnet resiliente Menschen aus?

Psychische Widerstandsfähigkeit zeigt sich sowohl im Privatleben als auch im Beruf. Die Ausprägung der genannten Eigenschaften ist dabei jedoch in allen Lebensbereichen ähnlich. Wer im Beruf eher lösungsorientiert statt problemorientiert denkt, der tut dies meistens auch im Privatleben. Somit zieht sich diese Eigenschaft in aller Regel durch alle Lebensbereiche hinweg. Wichtig zu betonen ist dabei, dass resiliente Menschen ihre Gefühle aber keinesfalls unterdrücken. Gerade im Bereich der Belastbarkeit eines Menschen treten bei dieser Definition häufig Missverständnisse auf. Wir alle kennen das Gefühl, dass wir bestimmte Dinge einfach „aushalten“ müssen. Wir beißen die Zähne zusammen und kämpfen uns durch eine schwierige Situation hindurch. Darüber hinaus hat sicherlich auch jeder von uns schon ein oder mehrere Male in seinem Leben seine Gefühle unterdrückt, da er ist in diesem Moment für angemessen hielt. All das hat jedoch nur sehr wenig mit resilienten Eigenschaften zu tun. Resiliente Menschen dürfen nämlich nicht mit denen verwechselt werden, die nach außen hin eine hohe Belastbarkeit zeigen, innerlich jedoch daran zerbrechen. Es geht also nicht darum, sich möglichst viel zuzumuten und irgendwann in einem Burn-Out zu landen, sondern wirklich belastbarer zu sein als andere. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch nicht, dass resiliente Menschen keine negativen Emotionen haben. Sie haben nur eine ganz andere Art und Weise, mit diesen Emotionen umzugehen. Weiterhin weisen solche Menschen bestimmte Eigenschaften, wie beispielsweise ein hohes Selbstbewusstsein, Kontaktfreudigkeit und Optimismus auf. Sie sind gut darin, eigene Denkprozesse zu analysieren und können sich selbst sehr gut kontrollieren. Sie übernehmen Verantwortung für ihr Leben und schaffen es eher, die Ziele zu erreichen, die sie sich selbst gesetzt haben.

Resiliente Menschen sind besser gewappnet gegen Stress und erleiden seltener ein Burn-Out.

Der Stress nimmt zu in unsere Gesellschaft. Viele fühlen sich überfordert und überlastet:

Auch können sie tendenziell besser mit Triggern für psychischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen umgehen:

Resilienz kann also als Schutzschild verstanden werden. Resilienz ist aber etwas, was nicht unbedingt von selbst kommt (mal von gewissen Veranlagungen zu mehr Robustheit abgesehen). Oft werden wir durch schwierige Situationen, manchmal auch durch traumatische Erfahrungen, erst resilient. Dabei ist entscheidend, ob wir diese auch bewusst verarbeiten und alle damit verbundenen Gefühle zulassen, durch verschiedene Phasen von Wut, Trauer, Verzweiflung und dann Heilung gehen. Wenn wir unsere Stärke aus Krisen wieder heil herauszukommen erfahren, werden wir resilient. Wenn wir lernen, dass es danach wieder weiter geht, dass danach wieder Positives kommt, werden wir in der nächsten Krise anders reagieren, werden wir den nächsten Rückschlag anders wegstecken (mal von wirklich extremen Schicksalsschlägen abgesehen).

Resilienz kann man zum gewissen Grad auch üben oder sich antrainieren.

Es gibt 7 Faktoren, die die Fähigkeit zur Resilienz hauptsächlich beeinflussen (Studie Maddhi und Koshaba):

  • Selbstwirksamkeitserwartung (Erwartung einer Person auf der Grundlage der eignen Kompetenzen gewünschte Handlungen durchführen zu können).

Die Selbstwirksamkeitserwartung ist stark verbunden mit der Eigenverantwortung und der sogenannten self-awareness= Selbstwahrnehmung.

  • Emotionale Selbstregulation (wir können unsere Emotionen kanalisieren und regulieren, z.B. durch bestimmte Maßnahmen wie durch den Wald laufen/ rennen, Sport treiben oder durch Meditation, um z.B. Aggressionen / Wut / Trauer abzubauen). Hierzu gehört aber auch die Selbstkontrolle: wenn ich weiß, dass ich zu bestimmten Verhaltensweisen neige, die mich z.B. ablenken oder mir oder anderen schaden, kann ich rechtzeitig die Notbremse ziehen oder mich selbst umlenken (natürlich gelingt das nicht immer).
  • Akzeptanz des Unveränderbaren (die Bereitschaft etwas so anzunehmen, wie es ist)

Auch, wenn dies natürlich nicht immer leicht und oft ein Prozess ist. Ab einem bestimmten Punkt erkennen wir aber, dass es keinen Sinn hat gegen oder für etwas zu kämpfen und nehmen den Ist-Zustand an und hin.

  • Konzentration auf die anstehenden Aufgaben (Beherrschung von Methoden zur Selbstorganisation und zum Zeitmanagement, proaktives Handeln.
  • Problemlösungsorientierung (konstruktive Fehlerkultur, kreative Strategien)
  • Toleranz für Ungewissheit (Abgeben von Kontrolle, üben von Gelassenheit, realistische Grundhaltung, positive Grundhaltung/ Optimismus)
  • Beziehungsfähigkeit

Die Beziehungsfähigkeit beginnt mit der Beziehung zu uns selbst. Sie ist Basis für alle Beziehungen, die wir eingehen. Ist unsere Beziehung und Haltung zu uns selbst gesund und wohlwollend, dann ist sie es auch zu anderen Menschen. Wir müssen sowohl uns selbst mit all unseren Bedürfnissen wahrnehmen und ihnen gerecht werden als auch denen unsere Mitmenschen. Wir brauchen Zeit für uns selbst, aber auch für die Pflege unserer Beziehungen (beruflich wie privat).  Die Balance ist hier entscheidend.

Für resiliente Menschen ist es demnach von großer Bedeutung, sowohl Hilfe anzubieten als auch Hilfe anzunehmen sowie Beziehungen und Netzwerke zu pflegen. All das sind stärkende Faktoren.

Warum gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung?

Obwohl das Thema sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext relevant ist, gewinnt es gerade im Beruf zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Unternehmen und Arbeitgeber wünschen sich resiliente Mitarbeiter, jedoch sind diese gleichzeitig immer schwieriger zu finden. Der Grund, warum psychische Belastbarkeit mittlerweile eine der gefragtesten Eigenschaften im Beruf ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen werden die Arbeitsabläufe in zahlreichen Unternehmen immer komplexer, womit der Arbeitsalltag für jeden einzelnen Arbeitnehmer zunehmend stressiger wird. Zum anderen sorgt die fortschreitende Digitalisierung für immer häufiger auftretende Umstrukturierungen. So müssen sich Arbeitnehmer heute häufiger anpassen und sich öfters neuen Herausforderungen stellen als früher. Die Anforderungen nehmen also stetig zu, weshalb resiliente Arbeitnehmer immer häufiger gefragt sind. In dieser Kategorie werden wir Ihnen noch weitere Informationen zu diesem Thema liefern. Darüber hinaus erhalten Sie zahlreiche Tipps und Tricks, wie Sie selbst resilienter werden können.

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