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Digital Health und Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Digitalisierung ist im deutschen Gesundheitswesen angekommen.

Nachdem es viele Jahre lang schien, als würde Deutschland dem technischen Fortschritt hinterherlaufen, ging es plötzlich ganz schnell: von digitalen Gesundheitsanwendungen, die vom Arzt verschrieben werden können, bis hin zum elektronischen Arztrezept sind viele Bereiche des Gesundheitswesens nun sinnvoll digitalisiert worden oder auf dem Weg dahin. Lassen sich Digital-Health-Angebote aber auch ins Betriebliche Gesundheitsmanagement einbinden?

Status Quo

Die Vision von einem digitalisierten Gesundheitswesen besteht bereits seit fast zwei Jahrzehnten. Nur hat sich aus verschiedenen Gründen lange Zeit nur sehr wenig getan. Mit dem Amtsantritt des aktuellen Bundesministers für Gesundheit, Jens Spahn, sollte sich dies grundlegend ändern. Er machte die Digitalisierung des Gesundheitssektors zur Priorität und schnell folgten auch erste Gesetzesentwürfe. Der wichtigste Baustein hierfür ist das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG).

Mit Inkrafttreten des DVG wurden Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) in die Regelversorgung eingeführt und können unter strengen Kriterien nun auch von der Krankenkasse erstattet werden. DiGAs ersetzen keine vollständige Behandlung, können aber als sinnvolle Ergänzung oder für leichtere Symptome nützlich sein, etwas bei psychischen Belastungen oder Migräne.

Neben der Einführung einer elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist auch die Einführung des elektronischen Rezeptes (E-Rezept) im DVG verankert worden. Während Papierrezepte viele Jahrzehnte lang einen unnötigen Papierverbrauch begünstigt haben, ist das E-Rezept eine deutlich umweltschonendere Variante.

Seit dem 1. Januar 2021 haben PatientInnen zudem einen Anspruch auf eine elektronische Patientenakte (ePA). Mit dem geplanten Digitale-Versorgungs-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG), das voraussichtlich im Sommer 2021 in Kraft tritt, wird es möglich, DiGAs in die elektronische Patientenakte einzubinden. Auch die Möglichkeiten der Telemedizin werden in diesem Gesetz weiter ausgebaut.

In Sachen Digital Health ist Deutschland also dabei, eines der modernsten Gesundheitssysteme der Welt aufzubauen.

Digital Health im Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Die vorher genannten gesetzlichen Grundlagen fokussieren sich natürlich vor allem auf die Behandlung erkrankter oder belasteter Menschen. Aber Digital Health lässt sich auch präventiv einsetzen, vor allem im beruflichen Kontext gibt es bereits viele Möglichkeiten und Anwendungen.

Längst geht der Begriff BGM über die berühmte Obstschüssel im Büro und Rückenübungen hinaus. Ein modernes BGM enthält digitale Angebote, die im betrieblichen Kontext eingesetzt werden, aber auch für den privaten Bereich geeignet sind.
Dazu gehören Gesundheitsportale, Fitnesskurse, Apps oder Wearables, die in Arbeits- und Privatleben integriert werden können, motivierend wirken und für MitarbeiterInnen einfach zu bedienen sind.
Um die MitarbeiterInnen zur Teilnahme an BGM-Maßnahmen zu bewegen, ist es förderlich, spielerische Elemente ins BGM zu integrieren. Zu den als „Gamification“ bekannten Elementen zählen Wettbewerbe, Fortschrittsanzeigen und Belohnungen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen spielerisch und mit Leichtigkeit am ehesten für BGM-Angebote begeistert werden können.

Fazit

Nicht nur das Gesundheitswesen, sondern auch die Arbeitswelt wird immer digitaler und damit ändern sich auch die Anforderungen an das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Zahlreiche Krankenkassen, aber auch Startups haben mittlerweile attraktive Angebote entwickelt, die darauf abzielen, die Mitarbeitergesundheit präventiv zu stärken.

In Zeiten, in denen sich die Arbeit im Homeoffice etabliert hat und die Grenzen zwischen privatem und beruflichem Raum noch fließender geworden sind, ist es wichtig, dass Unternehmen sich an diese Gegebenheiten anpassen und ihren MitarbeiterInnen entsprechende Angebote an die Hand geben.

Die Angebote müssen so ausgerichtet sein, dass sie auch von zuhause aus problemlos umsetzbar bzw. unabhängig des Standortes anwendbar sind.

Damit digitale BGM-Angebote nicht nur ein nettes Gimmick sind, sondern sich als Teil der Unternehmenskultur etablieren, müssen sie an die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen angepasst werden.

Während das klassische BGM mit seinen generellen und auf Präsenz ausgelegten Angeboten viele MitarbeiterInnen abgeschreckt haben dürfte und deshalb seit Jahren teilweise kritisch und „verstaubt“ gesehen wird, liegen die Vorteile im digitalen BGM in der Individualisierung. Viele Apps und Plattformen bieten schon die Möglichkeit durch spezielle Fragen, wirklich individualisierte, auf die Bedürfnisse-aber auch Beschwerden der MitarbeiterInnen einzugehen und individuelle Gesundheitstipps oder Trainingseinheiten anzubieten. So können MitarbeiterInnen auf dem Fitnessstand abgeholt werden, auf dem sie sich aktuell befinden und sie können die Übungen vornehmen, wann sie möchten. Darin liegt eine große Chance – für Mitarbeiter wie für Unternehmen, die in Sachen Employer Branding durch innovative Gesundheitsangebote positiv von sich Reden machen möchten.

Im nächsten Beitrag gehe ich auf die Hürden von rein digitalem BGM ein.

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