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Die Kunst der Kommunikation

„Wir können nicht nicht kommunizieren“ (Paul Watzlawick)

Kommunikation ist der Schlüssel- auch zum Erfolg. Nicht umsonst gibt es die Kommunikationspsychologie und Kurse für Kommunikation-sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext.

Gerade momentan, wo ganz viel nur noch virtuell stattfindet und der direkte zwischenmenschliche Kontakt größtenteils wegfällt, bekommt die Kommunikation nochmal eine ganz neue Bedeutung.

Im virtuellen Raum wird zwar einiges leichter: Hemmschwellen, die im direkten Kontakt da wären, sinken, es entsteht mehr Distanz.  Andererseits fällt es uns virtuell aber schwerer auf der nonverbalen Ebene zu kommunizieren. Wichtige Informationen, die sonst im direkten Kontakt durch die nonverbale Kommunikation immer mit vermittelt werden, fehlen.

Durch die fehlende physische Anwesenheit entsteht mehr Distanz. Durch kleine Bilder bei virtuellen Meetings kann die Körpersprache nicht so wahrgenommen werden wie live. Gerade bei Teammeetings, wo wir mehrere kleine Bilder von Personen sehen, fällt es sehr schwer, die Körpersprache des einzelnen wahrzunehmen. Dazu kommt, dass wir uns dabei oft unnatürlich und sehr starr verhalten: eine Position, wir starren in die Kamera. Trotzdem entsteht natürlich ein Eindruck und manchmal ist dieser schon ein wichtiger Ersatz zum persönlichen Treffen.

Auch virtuelle Coachings Lehrgänge oder Events können sehr erfolgreich und effizient sein. Wichtig hierbei ist, möglichst lebhaft zu agieren, die Körperhaltung auch mal zu wechseln (geht auch im Sitzen), sich wirklich auch als Mensch zu zeigen, etwas mehr zu gestikulieren, öfter zu lächeln oder auch mal herzhaft zu lachen und allgemein seine Mimik zu verstärken.

Fakt ist: Kommunikation ist unser wichtigstes Instrument.

Der Mensch ist ein Meister der Kommunikation. Und zwar auf verschiedenen Ebenen.

Wir kommunizieren zu einem sehr großen Teil nonverbal (ca. 80%), also durch reine Körpersprache. Die nonverbale Kommunikation ist die älteste Form der Kommunikation. Sie läuft zudem meist unbewusst ab.  Alle Informationen werden hierbei über Sinneswahrnehmungen vermittelt (VAKOG). Auch im Tierreich existieren Zeichensysteme und kommunikative Handlungen, die als Sprache bezeichnet werden. Unterstützt durch Laute. Die nonverbale Kommunikation umfasst auch die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, in der gänzlich auf die Sprache des Menschen verzichtet wird und nur durch Körpersignale kommuniziert wird. Die nonverbale Kommunikation besteht größtenteils aus Mimik, Gestik, Körperhaltung und Körpersignalen.

Wir alle kommunizieren permanent nonverbal. Ob beim Autofahren, Radfahren, beim Einkaufen oder beim bloßen aneinander Vorbeilaufen. Wir checken unser Gegenüber binnen Bruchteilen von Sekunden und filtern alle Informationen über: Das Erscheinungsbild wie: Größe, Statur, Gang, Kleidung, Frisur, Schmuck etc.

Wir können quasi „riechen“, wenn ein Mensch uns unsympathisch, unangenehm oder gar gefährlich erscheint. Diese Eigenschaft war früher überlebenswichtig. Im heutigen Leben haben viele sie verlernt oder hören auf diese Signale zu wenig. Das sogenannte Bauchgefühl, was uns warnt, wird leider oft übergangen.

Unsere Körpersprache drückt außerdem aus, ob wir unsicher oder entschlossen sind. Das entscheidet beispielsweise, ob mir eine Gruppe von Menschen, die mir entgegenkommt, Platz macht oder mich seitlich abdrängt. Dabei entscheidet die Gruppe das absolut spontan-einfach anhand meiner Körpersignale. Je entschlossener, aufrechter und schneller ich auf sie zu gehe, je direkter mein Blick ist, desto eher wird sie mir Platz machen. Zögere ich, werde langsamer, blicke nach unten, besteht die Chance, dass sie mich abdrängt.

Im Straßenverkehr, z.B. beim Radfahren oder auch Autofahren, müssen wir uns sehr stark auf körperliche Signale verlassen. Wenn es schnell gehen soll, verstehen alle Menschen auch Handzeichen und reagieren darauf.

Interessant ist weiterhin, dass auch ein fremder Mensch auf mich reagieren kann, den ich aufgrund meines Erscheinungsbildes oder gewisser Merkmale an eine Person erinnere oder aber, weil ich aufgrund eben dieser Merkmale etwas in ihr/ ihm auslöse. Es sind Bruchteile von Sekunden, die uns auf einen Menschen, seine Erscheinung, seine Körpersprache reagieren lassen. Auch passiert das meist unbewusst und spontan. Man kann, wenn man in Selbstbeobachtung geübt ist, diese Reaktionen bei sich selbst aber registrieren und ihnen nachspüren. Also: warum habe ich jetzt so auf diese Person reagiert? 
All diese unmittelbaren, teilweise unbewussten Reaktionen spielen natürlich auch im Berufsleben eine Rolle: die neue, hübsche Kollegin, der Manager, der mich an meinen Ex-Freund erinnert etc. pp. Sie beeinflussen unser Verhalten gegenüber dieser Person. Auch spielt es eine Rolle, ob ich diese Person z.B. attraktiv finde. Das heißt: ohne überhaupt ein einziges Wort mit ihm/ ihr gesprochen zu haben, hat mir die Erscheinung und die nonverbale Kommunikation bereits Informationen übermittelt, die mein Verhalten gegenüber dieser Person unbewusst steuern.

Außerdem spielt noch das Blickverhalten, die Mimik, die Gestik, Taktilität (Berührungen: Händedruck, Umarmung etc.) sowie der interpersonelle Raum (die räumliche Distanz zum Gesprächspartner) eine große Rolle bei der nonverbalen Kommunikation. Besonders natürlich in der direkten Interaktion.

Hier kommt aber auch die sogenannte paraverbale („neben-verbales“) Kommunikation zum Tragen. Sie bezeichnet die Stimmeigenschaften eines Menschen und gehört in gewisser Weise ebenfalls anteilig mit zur nonverbalen Kommunikation, da Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Intonation, Sprechmelodie und Lautstärke sehr viel über die Persönlichkeit aber auch Stimmungslage des Sprechers verraten.

Die nonverbale Kommunikation dient vor allem dem Ausdruck von Gefühlen. Ob wir wollen, oder nicht, wir drücken unsere Gefühle in irgendeiner Form aus, übermitteln diese. Sei es durch Schweigen (Hilflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Schock), einer hohen schrillen oder gepressten Stimme (Angst), Tränen (Trauer, Verzweiflung), lauter Stimme /Schreien (Wut) einem niedergeschlagenen, gelangweiltem oder freudigem Gesichtsausdruck, Erröten oder feuchten Händen,

Nach der 55-38-7 Regel des Psychologen Mehrabian wird eine Nachricht nur zu 7 Prozent über den Inhalt, 38 Prozent über die Stimme und zu 55 Prozent über die Körpersprache vermittelt. 

Die Entwicklung der Sprache ermöglichte dem Menschen dennoch eine völlig neue Dimension der Kommunikation. Die Fähigkeit zu sprechen ist im Menschen als Veranlagung genetisch vorhanden, wird allerdings auch durch jahrzehntelange Anwendung weitergegeben (Epigenetik). Sie muss allerdings zusätzlich aktiv gefördert werden. Menschen, die nur bei Tieren aufwachsen, können nicht sprechen (sogenannte „Wolfskinder“-einige Fälle sind bekannt). Auch Menschen, die isoliert aufwachsen und kaum menschliche Fürsorge und Zuneigung erfahren haben, (Kaspar Hauser), können entsprechend kaum oder wenig sprechen. Fakt ist: Ohne die Sprache wären wir heutzutage nicht da, wo wir sind.

Der Informationsgehalt dessen, was wir sagen macht aber nur ca. 7% aus. Die Sachebene beinhaltet die verbalen Elemente der Kommunikation, also das, was gesagt wird. Einen viel größeren Anteil in unserer Kommunikation hat allerdings die Beziehungsebene, welche die nonverbalen und paraverbalen Elemente beinhaltet.

Das sogenannte Eisberg-Modell, was vielen bekannt sein dürfte, veranschaulicht das sehr gut.

Interessant ist, dass man bei Nachrichtensprechern sehr auf neutralen Ausdruck, gleichbleibende Intonation und möglichst wenig nonverbale du paraverbale Kommunikation setzt, damit sich der Zuhörer oder Zuschauer besser auf die Informationen konzentrieren kann. Die Nachrichtensprecherinnen sind zwar durchaus hübsch teilweise, aber auch nicht zu auffällig geschminkt und tragen nie roten Lippenstift. Trotzdem wurde mal in einer US-Studie  festgestellt: je hübscher die Nachrichtensprecherin, desto schlechter konnten sich männliche Zuschauer auf die Inhalte und Informationen konzentrieren: Maria Grabe und Lelia Samson von der Indiana Universität zeigten in einer Studie 390 Männern und Frauen eine Nachrichtensendung. Mal war die Sprecherin weder geschminkt noch sexy gekleidet, mal trug sie ein figurbetontes Jackett, einen engen Rock und roten Lippenstift.  Im zweiten Fall konnten sich die Männer sehr gut an das Outfit erinnern – aber kaum an die Inhalte der Nachrichten. (Quelle: alltagsforschung.de)

Sehr entscheidend ist zudem nicht nur, was wir sagen, sondern wie wir es sagen                 

Aber warum gibt es immer wieder so viele Probleme bei der Kommunikation zwischen Menschen? Warum verstehen wir uns so oft falsch?

Warum sind wir oft nicht in der Lage, gut und ruhig miteinander zu reden? Warum entstehen immer wieder Konflikte?

Das Sender-Empfänger Problem

Ein sehr weit verbreitetes Problem ist das sogenannte Sender-Empfänger Problem. Meine Botschaft kommt anders beim Gegenüber an, als ich sie gemeint habe.

Das von Stuart Hall entwickelte Sender-Empfänger Modell beschreibt die Übertragung eine Nachricht von A nach B durch die gleiche Codierung bzw. Decodierung. Ist dies nicht gegeben, benutzen die beiden beteiligten Personen also nicht denselben Code, haben z.B. nicht dasselbe Verständnis ein und desselben Begriffs, kommt es zu Missverständnissen und auch zu Problemen in der Kommunikation.

„Das habe ich doch gar nicht so gemeint“ ist sicherlich ein Satz, den wir alle sowohl schon mal gesagt als auch schon mal gehört haben. Gerade auch im beruflichen Kontext kommt es immer wieder zu Missverständnissen, was sich teilweise sehr negativ auf Arbeitsprozesse, Ziele und Ergebnisse auswirken kann. Denn: Kommunikation hat auch immer eine Reaktion zur Folge. Die Reaktion kann mitunter sehr emotional ausfallen, wodurch es wiederum zu Diskussionen und Konflikten kommt, die schon lange nichts mehr mit dem eigentlichen Sachverhalt zu tun haben. Emotionale Muster und Erfahrungen sowie individuelle Trigger der beteiligten Personen spielen ebenfalls eine Rolle

Die sieben Schritte der Kommunikation des Sender-Empfänger Modells:

  1. Kommunikationspartner A hat eine Absicht
  2. Er übersetzt sie in Worte
  3. Er sendet sie, spricht sie also aus (oder schreibt sie)
  4. Die Nachricht wird übermittelt
  5. Kommunikationspartner B empfängt die Nachricht, er hört oder liest sie
  6. Er übersetzt sie
  7. Er interpretiert die Bedeutung

Hat Person B nun die Nachricht von Person A interpretiert, leitet sie mit Ihrer Antwort einen neuen Vorgang der Kommunikation ein. Die Reaktion zeigt A wiederum, ob B ihre erste Botschaft verstanden hat.

Schwieriger wird es bei der sogenannten asynchronen Kommunikation: ich schreibe eine E-Mail, sende eine Sprachnachricht, Textmessage etc.. Hier findet die Kommunikation zeitlich verzögert statt und die paraverbalen bzw. nonverbalen Elemente fehlen teilweise. Die Gefahr für Missverständnisse oder Konflikte wird erhöht.

Nach Friedmann Schulz von Thun stecken in einer einzigen Aussage grundsätzlich vier Botschaften:

  • Eine Sachaussage: Information über das Faktische, das mitgeteilt wird.
  • Eine Beziehungsaussage: eine Wertung des anderen, was ich vom ihm halte und wie ich zu ihm stehe.
  • Eine Selbstkundgabe: eine Offenbarung über sich selbst.
  • Ein Appell um beim Gegenüber etwas zu erreichen.

In diesem Zusammenhang wird auch gern das sogenannte Kommunikationsquadrat zur Veranschaulichung herangezogen.

Wir alle haben unsere individuellen Kommunikationsmuster, die im Laufe unseres Lebens entstanden sind. Dabei gibt es teilweise auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Vieles hat aber mehr mit der Erziehung und kulturellen Prägung zu tun.

Kommunikation ist also ein sehr komplexes Feld. Es lohnt sich aber, sich damit genauer zu beschäftigen- privat wie beruflich. Denn: durch die richtige und bewusste Art zu kommunizieren, verbessern wir nicht nur unsere Beziehungen, werden selbst zufriedene/ glücklicher, sondern werden auch im Arbeitsleben effizienter, schneller und erreichen besser unsere Ziele.

Wir werden das Thema hier nochmal aufgreifen.

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