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Achtsamkeit in Unternehmen

Achtsamkeit bedeutet, körperlich und mental im Hier und Jetzt zu sein, ohne den Moment zu bewerten. Wir nehmen also wahr, ohne zu beurteilen. Dies hilft uns dabei, vor allem mit schwierigen Phasen bewusster und gelassener umzugehen. Wir werden souveräner, entwickeln für uns selbst und für andere Menschen Mitgefühl und lernen, bewusst zwischen Akzeptanz und Veränderung zu entscheiden. Achtsamkeitstraining ist darum nicht nur im Privatleben, sondern auch im beruflichen Alltag ein wirksames Instrument, das uns zu mehr Wohlbefinden verhilft.

In Anbetracht steigender Burn-Out-Erkrankungen und häufig auftretender Depressionen suchen viele Unternehmen nach Möglichkeiten, die negativen Auswirkungen von Stress und Leistungsdruck am Arbeitsplatz zu minimieren. Konzerne wie beispielsweise SAP, BASF, Continental und Bosch haben die Methode bereits fest in ihre betriebliche Gesundheitsförderung integriert. Sie bieten kostenlose Trainings oder Workshops an und bilden Gruppen, die sich zu regelmäßigen Atemübungen und Meditationen treffen. Denn eine Tatsache steht fest: Stress und Überforderung sind nicht nur in den höheren Etagen zu finden. Es spielt keine Rolle, ob Sie mit der Führung eines Betriebes betraut sind oder Teil eines großen Teams innerhalb einer Abteilung sind, denn der Arbeitsdruck steigt überall. Ursachen sind unter anderem die enorme digitale Informationsflut sowie die Selbstverständlichkeit, mit der Multitasking inzwischen gefordert wird. Achtsamkeitsübungen verbessern die Gesundheit der Geschäftsführung und der Mitarbeiter, so dass Fehlzeiten deutlich zurückgehen können und Produktivität sowie Wohlbefinden gesteigert werden kann. Allerdings sollte man sich nicht allein auf Seminare oder Gruppenteilnahmen beschränken. Wichtig ist auch der Umgang mit den alltäglichen Herausforderungen im Berufsalltag. Achtsamkeit sollte also nicht nur ein Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein, sondern auch direkt am Arbeitsplatz praktiziert werden. So haben einige Firmen beispielsweise die Regel eingeführt, dass die Mitarbeiter nur dreimal pro Tag einen Blick in ihr E-Mail-Postfach werfen. Für den Feierabend oder das Wochenende gilt: Geschäftliche Nachrichten sind tabu.

Im Idealfall trägt Achtsamkeit während der Arbeit zu langfristigen Veränderungsprozessen bei. Dass dies tatsächlich funktionieren kann, bestätigt eine interessante Studie.
Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts nahmen mehr als 100 Beschäftigte verschiedener Unternehmen an mehreren Modulen teil, die Themen wie „Achtsame Dialoge“, „Achtsames Zeitmanagement“ und „Achtsame Meetings“ behandelten. Festgestellt wurden unter anderem deutlich positive Effekte in den Bereichen „Produktivität und Konzentration“, „Belastung und Stress“ sowie „Entscheidung und Kreativität“. Mehr als 90 Prozent aller Teilnehmer gaben anschließend an, auch weiterhin regelmäßig, häufig oder gelegentlich Achtsamkeitsübungen zu praktizieren. Darüber hinaus sorgten die Module für eine völlig neue innere Haltung am Arbeitsplatz. Die Teilnehmer spürten plötzlich eine andere Arbeitskultur, die das Miteinander positiv verändert hat. Außerdem konnten im Rahmen des Projekts eventuell bestehende Vorurteile gegen Achtsamkeit ausgeräumt werden. Durch praktische Übungen und die Erklärung der Wirkung in Bezug auf Neurophysiologie löste sich der esoterische Beigeschmack auf, was zu einer enorm hohen Akzeptanz des Trainings führte.
Eine weitere Studie wurde in dem Fachmagazin „Psychologie heute“ vorgestellt, sie kam zu ähnlich positiven Ergebnissen.

Trotzdem löst Achtsamkeitstraining in Unternehmen bei einigen Kritikern gemischte Gefühle aus. Sie vermuten dahinter ein gezielt eingesetztes Instrument, um die Produktivität der Beschäftigen zu steigern. Den Unternehmen wird vorgeworfen, die Kurse nicht etwa anzubieten, damit es den Mitarbeiter*innen besser geht. Vielmehr würde es darum gehen, auch noch das letzte Quäntchen an Leistung aus den Beschäftigten herauszupressen. Deren Resilienz soll angeblich bewusst gestärkt werden, damit sie mit den Auswirkungen schlechter Bedingungen am Arbeitsplatz zurechtkommen.


Doch ist betriebliches Gesundheitsmanagement wirklich so berechnend und somit negativ? Wohl eher nicht. Natürlich ist ein Unternehmen in erster Linie ein wirtschaftlicher Betrieb, der Gewinne anstrebt, denn sonst könnte er seine Mitarbeiter ja auch gar nicht bezahlen. Darum ist es auch gar nicht verwerflich, wenn eine Firma ihrer Belegschaft Achtsamkeitstrainings anbietet, um die betrieblichen Ziele besser zu erreichen. Wichtig ist jedoch, wie Unternehmen die neuen Angebote kommunizieren, damit diese nicht etwa als fragwürdiges Mittel zur Steigerung der Effizienz missverstanden werden. Unternehmer sollten das Kind also ruhig beim Namen nennen und neben dem Interesse am Wohlergehen der Mitarbeiter*innen auch hinter den wirtschaftlichen Interessen stehen. Fakt ist jedoch, dass Achtsamkeitstraining für alle Beteiligten einen hohen Mehrwert bietet. Beschäftigte dürfen der Methode also durchaus offen gegenüberstehen. Die Teilnehmer*innen werden selbstbestimmter, stressresistenter, weniger manipulierbar und angstfreier, so dass sie den Herausforderungen des Arbeitsalltages besser gewachsen sind. Dies wiederum führt zu
einer effektiveren Arbeitsweise
einer verbesserten Kommunikation
– einer vertrauensvolleren Basis in zwischenmenschlichen beruflichen (und privaten) Beziehungen. Letztendlich profitieren also beide Seiten davon, der Betrieb inklusive Führung und auch seine Mitarbeiter*innen im beruflichen, aber auch privaten Kontext: eine klassische Win-win-Situation könnte man sagen.

Firmen, die in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement Achtsamkeitstrainings integrieren, profitieren von starken, klardenkenden und mutigen Beschäftigten, die ein sicheres Gefühl für ihre Leistungsfähigkeit, aber auch für deren Grenzen bekommen. Im Gegenzug erleben die Mitarbeiter ein deutlich verbessertes Arbeitsklima und eine wesentliche Abnahme des Stressempfindens. Durch den ständig steigenden Leistungsdruck, den Konkurrenzkampf der Firmen innerhalb der einzelnen Branchen und die zunehmende Digitalisierung wird das Thema auch immer wichtiger, und das sowohl für die Betriebe als auch für die Belegschaften. Wer sich als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer etwas näher damit beschäftigt, investiert seine Zeit also auf jeden Fall sinnvoll und kann am Ende nur gewinnen.

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